Kurze Prag und Tschechien Geschichte

Kurze Prag und Tschechien Geschichte

Die Besiedlung des Gebietes reicht bis ins Paläolithikum zurück.  Das Prager Becken gehörte während der gesamten Ur- und Frühgeschichte zu den am dichtesten und nahezu durchgängig besiedelten Landschaften Böhmens.  Erste slawische Gruppen stießen etwa ab der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts in das Gebiet vor. Im 9. Jahrhundert wurde die Prager Burg mit dem unterhalb im Bereich der heutigen Kleinseite liegenden Suburbium und im 10. Jahrhundert eine zweite Burg auf dem Vysehrad als Sitz der Premysliden angelegt.  Im Schutz der beiden Burgen entwickelten sich auf beiden Seiten der Moldau Ansiedlungen deutscher und jüdischer Kaufleute und einheimischer Handwerker.   Der Heilige Wenzel, ein Premyslid, ist 935 von seinem Bruder ermordet worden.  1172 wurde die erste Brücke, Judithbrücke genannt, über die Moldau gebaut.  Um 1230/34 ließ König Wenzel I. die größte der Siedlungen, die heutige Prager Burg, an der Moldaubiegung befestigen und erteilte ihr das Stadtrecht.  Prag wurde damit zur königlichen Residenzstadt der böhmischen Herrscher. Sein Sohn Premysl Ottokar II. vertrieb die auf dem anderen Moldauufer unterhalb der Burg ansässige tschechische Bevölkerung und gründete 1257 die erste Prager Neustadt, die heutige Kleinseite (Mala Strana). Als dritte Prager Stadt wurde vor 1320 von den Burggrafen die abhängige Hradschin-Stadt (auch Burgstadt, Hradcany) unmittelbar westlich der Burg angelegt.

Unter Kaiser Karl IV. (14 Jahrhundert) und seinem Sohn Wenzel IV. erblühte die Stadt als Hauptstadt des Heiligen Römischen Reiches in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts wirtschaftlich, kulturell, politisch und auf vielen weiteren Gebieten.  Hier wurde 1348 die Karls-Universität als erste Universität in Mitteleuropa gegründet.   Sie ist auch die erste deutsch sprechende Universität, da nach Latein Deutsch gelehrt wurde.  Durch den Bau der Prager Neustadt im selben Jahr wurde die Agglomeration mit weit über 40.000 Einwohnern viertgrößte Stadt nördlich der Alpen und hinsichtlich ihrer Fläche drittgrößte Stadt in Europa.  Ab dem Jahr 1419 wurde sie jedoch in den Hussitenkriegen schwer erschüttert und teilweise zerstört.

Ende des 16. Jahrhunderts machte Kaiser Rudolf II. Prag wieder zur Residenzstadt.  Von dieser Zeit zeugen prachtvolle barocke Palais und Kirchen.  Durch den zweiten Prager Fenstersturz (1618) wurde dann der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) ausgelöst und hinterließ Spuren.

Um 1900 war das nach außen weltoffene Prag, Sitz der ersten im Gebiet des mittelalterlichen Deutschen Reiches gegründeten Universität, einem Treibhaus für Künstler und nachwachsende Literaten.  Allein drei Dichterkreise wetteiferten miteinander: Den engeren Prager Kreis bildeten Max Brod und seine Freunde Franz Kafka, Felix Weltsch und Otto Baum. Der Verein "Wefa" umfasste viele Autoren, die heute kaum noch bekannt sind, wie z. B. Friedrich Adler (Politiker). Einem anderen Verein, der neuromantische Kreis Jung-Prag gehörten zum Beispiel Rilke, Gustav Meyrink, der beruflich in Prag zu tun hatte, und der junge Franz Werfel an. In dieser Zeit war Prag als Stadt des Vielvölkerstaates Österreich-Ungarn durch einen regen Austausch zwischen den Nationalitäten geprägt.

Erst um 1860 verlor Prag seine seit dem Mittelalter bestehende deutsche bzw. deutschsprachige Bevölkerungsmehrheit. Bei der tschechoslowakischen Volkszählung von 1930 gaben noch 42.000 Prager Deutsch als Muttersprache an, sie lebten vor allem im Stadtzentrum (Stadtteile Altstadt und Kleinseite).

Am 28. Oktober 1918 ist Tschechoslowakei zu einer Demokratie und Republik geworden. Der erste Präsident hieß Tomas Garick Masaryk, der weiterhin sehr beliebt ist.  Der 28.10. wird jedes Jahr als der Tag der Unabhängigkeit gefeiert.

1938 wurde das Sudetenland, das Grenzgebiet mit Deutschland und Österreich, von den Nationalsozialisten annektiert und die dort lebenden Tschechen wurden aus ihren Häusern, nur mit dem was sie tragen konnten, fortgejagt.  Die Häuser und Land sind an die deutschsprechende Bevölkerung gegeben worden. Während des Zweiten Weltkrieges war auch Prag von deutschen Truppen besetzt.  1939 lebten etwa 120.000 Juden in den böhmischen Ländern, viele davon in Prag.  Von diesen wurden etwa 78.000 von den Nationalsozialisten umgebracht.

Als am 1. Mai 1945 in Prag die Nachricht vom Selbstmord Hitlers bekannt wurde, wurde die aus Berlin angeordnete dreitägige Trauerbeflaggung noch ohne Widerstand durchgeführt.  Erst am Nachmittag des 4. Mai kam es in der Stadt zu einem Aufstand, der auch von den Truppen der Russischen Befreiungsarmee des Generals Wlassow unterstützt wurde, und zu Barrikadenkämpfen.  Am 9. Mai erreichten die Truppen der Roten Armee Prag und konnten es nach Kämpfen einnehmen.  Noch während der Flucht bombardierten deutsche Flugzeuge punktuell die Stadt.  Heute feiert Prag an jedem 9. Mai den Tag der Befreiung.

Unmittelbar nach Kriegsende im Mai 1945 wurden die Prager Deutschen fast ausnahmslos vertrieben.  Viele von ihnen wurden zunächst interniert, etwa 5.000 kamen ums Leben.  1945 wurden auch die in Prag ansässigen Ungarn enteignet und bis 1947 zum Teil nach Ungarn zwangsausgesiedelt.

Das ganze 20. Jahrhundert hindurch behielt Prag den Rang einer europäischen Metropole.  Dem konnten weder die deutsche noch die sowjetische Besetzung oder der autoritäre Kommunismus sowjetischer Prägung etwas anhaben. Während des Prager Frühlings 1968 wurde auf friedliche Weise versucht, den vorherrschenden autoritären Sozialismus durch einen Sozialismus mit menschlichem Gesicht zu ersetzen.  Dies wurde von Truppen des Warschauer Pakts mit Waffengewalt niedergeschlagen. 1989 war Prag Schauplatz der so genannten Samtenen Revolution, die das Ende des sozialistischen Regimes in der damaligen Tschechoslowakei bedeutete.

1993 teilte sich Tschechoslowakei in Tschechien und die Slovakische Republik.

Am 1. Mai 2005 wurde Tschechien in die Europäische Union aufgenommen.